INFORMATIONEN ZUM MODUL 16 "MEDIEN-KUNST-NETZ" DES MASTER-KURSES IN FACHDIDAKTIK "KUNST UND GESTALTUNG" AN DER UNIVERSITÄT BERN |
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DOZIERENDEDie Lehrveranstaltung wird konzipiert und abgehalten von Dr. Hans H. Diebner und Mag.phil. Inge Hinterwaldner. An der Präsenzveranstaltung trägt Tabea Lurk M.A. mit einer Einführung in die Arbeiten des Medienkünstlers Tony Conrad bei.BESCHREIBUNG DES MODULS 16 "MEDIEN - KUNST - NETZ"Das Modul führt in die neuere Medienkunst ein und erörtert deren Bezug zur Wissenschaft. Wir stellen die künstlerische Anwendung der verschiedenen Medien und Techniken ihrem wissenschaftlichen Einsatz gegenüber und diskutieren vor allem einen möglichen Konnex.Ein Abriss zur apparativen Kunst seit den 1960er Jahren mit einem Einblick in die verwendeten Techniken - z.B. Laser, Analogrechner, Oszilloskop - sowie die erörterten Inhalte - z.B. Künstliche Intelligenz, Automation kreativer Prozesse - eröffnet das Modul. Der Bogen spannt sich von fotografierten, flüchtigen Erscheinungen am Bildschirm über Computergrafiken hin zu interaktiven oder reaktiven Installationen. Nicht erst seit der Einführung des WWW werden die Möglichkeiten elektronischer Medien als Ausdrucks- und Kommunikationsmittel ausgelotet. Themen wie Vernetzung, Kooperation, Hacktivism, Virtualisierung der Körperlichkeit, Social Software, aber auch die Integration ständig aktualisierter digitaler Daten werden virulent. Auch im wissenschaftlichen Forschungsprozess spielen immer häufiger multimediale, zeitbasierte und prozessorientierte Methoden eine wesentliche Rolle. In der Erforschung komplexer Systeme versagen zunehmend die traditionellen Methoden, die auf Stationarität und Reproduzierbarkeit beruhen. Daher findet eine Öffnung zugunsten performativer Methoden statt. Biofeedback, Eye-Tracking, Sonifikation und Audifikation sind Methoden, die zunehmend sowohl im künstlerischen wie auch im wissenschaftlichen Umfeld Anwendung finden. Nähere Info zum Studiengang: Fachdidaktik Kunst und Gestaltung. VORLESUNGSZEITENVirtuelle Phase 1: 5. - 23.1. 2009Präsenzveranstaltung in Bern: 30./31.1. 2009, 9-17 Uhr Virtuelle Phase 2: 2. - 13.2. 2009 EINLEITUNGSeit Beginn des 20. Jahrhunderts ist eine exponentielle Zunahme an künstlerischen Arbeiten, Ausstellungen, Aktionen und Publikationen rund um den Begriff "Kunst und Wissenschaft" zu verzeichnen. KünstlerInnen, die mit dem Computer und den damit einhergehenden Interface- und Netzwerk-Technologien - üblicherweise als "Neue Medien" bezeichnet - arbeiten, werden häufig synonym auch Ingenieur-KüstlerInnen, Künstler-WissenschaftlerInnen oder ähnlich genannt. Zwischen Technologie und Wissenschaft wird - berechtigt oder nicht?, das ist die Frage - in diesem Zusammenhang kaum differenziert. Im Modul 16 wird hauptsächlich der Zusammenhang zwischen den Künsten und den Systemwissenschaften (einschliesslich Kybernetik) diskutiert.Als provokativen Einstieg sei auf den Artikel Re-Reeducation von verwiesen, der den Zusammenhang von Kunst und Systemtheorie fast apokalyptisch ausdeutet, in dem er den Künstler als Pavlowsche Labormaus im Laufrad der Kybernetik instrumentalisiert sieht. Dammbeck ist auch Regisseur des umstrittenen Dokumentarfilms Das Netz. Er thematisiert die Machenschaften der kybernetischen Instrumentalisierung seit ihrer Entstehung in den 1940er Jahren in einer verschwörungstheoretischen Weise. Freilich stellt dies die Speerspitze einer kritischen Reflexion dar, die auf der anderen Seite durch emphatische Hohelieder auf die Demokratisierung durch das Netz kontrastiert werden. Erst vor wenigen Monaten hat der Medienkünstler und -theoretiker Peter Weibel das Selbstverwirklichungspotential der Menschen durch Second Life ebenso emphatisch gelobt. Irgendwo dazwischen finden sich mal mehr und mal weniger moderate kritische Positionen verschiedener Theoretiker aber auch Künstler, die im Kontext der Medienkunst auffällig stark zur Selbstreferentialität tendieren und ihre eigene Stellung im Getriebe des Systems oder Mediums im negierten Sinne von "the medium is the massage" () aufgreifen. Vor allem die Internetkunst tritt hierbei in einer medien- und systemkritischen Weise auf, die bisweilen auch die eigene NetzkünstlerInnen-Gemeinschaft zum Ziel ihrer Attacken hat. Neben dem "systemischen" Verhältnis, bei dem ständig "Antigene" und "Antikörper" ihre Reaktionen um einen recht instabil wirkendes Fliessgleichgewicht ausführen, werden aber auch die Beziehung von Kunst und Wissenschaft in einem erkenntnisgenerierenden Sinne im Hinblick auf eine gemeinsame Problemstellung diskutiert. Als ein früher Hauptvertreter der Liaison von Kunst und Wissenschaft im 20. Jahrhundert ist Marcel Duchamp zu nennen . Es ist aber bis heute unter den KunsthistorikerInnen und WissenschaftstheoretikerInnen umstritten, inwiefern er wirklich wissenschaftlich arbeitete und nicht doch eher ironisierend und kritisierend zur Wissenschaft Stellung bezog. Bisweilen wird Duchamp im Sinne eines Kompromisses eine ingenieurshafte Vorgehensweise zugeschrieben. Theo Steiner weicht dem Problem der Differenz von Ingenieurswesen und Wissenschaft durch die Stärkung des Begriffs des "Experiments" aus, womit er für Kunst, Wissenschaft, und Ingenieurswesen eine Schnittmenge schafft. Unter dem Stichwort "künstlerische Experimente" lassen sich auch soziale Experimente einschließlich des so genannten Hacktivismus oder der Guerilla-Kunst und ähnliche Strömungen fassen. Eine wesentliche Rolle in dieser Entwicklung spielte zweifelos auch das Bauhaus in Weimar. László Moholy-Nagy und andere Vertreter des Bauhaus gingen von einer Einschreibung des Lebens in die Kunst und offensiv von einer Übernahme der Wissenschaft in die Kunst aus. Laut der Diagnose u.a. von handelte es sich jedoch eher um eine "rigorose Inversion", um eine radikale Relativierung der Invarianz der Naturgesetze und der Kausalität. Gewissermaßen geriet der Wissenschaftsbetrieb selbst zum künstlerischen Experimentierfeld. Jedoch begannen die Naturwissenschaften selbst just um die Wende des 19. zum 20. Jahrhundert ihre Methodik zu hinterfragen und verlangten nach Integration von Kontingenz und Holismus ( ). Dieser Paradigmenwechsel mündete in die Gründung einer allgemeinen Systemtheorie und der seit den 1960er Jahren als ihr Teilgebiet aufgefassten Kybernetik. Als Vorläufertheorien lassen sich Vitalismus und Einfühlungsästhetik nennen, die auch die Kunstavantgarde massgeblich mit beeinflussten. Es war zwar intendiert, die Vorläufer vom Mystizismus zu befreien, dies ist aber nicht vollständig gelungen . Insbesondere in der Erforschung komplexer Systeme werden mystizistische Begriffe wie Emergenz, Selbstorganisation, Viabilität und Autopoiesis benutzt. Unter anderem deshalb sah sich der Wissenschaftstheoretiker Paul Feyerabend (1984)Paul K. Feyerabend: Wissenschaft als Kunst. Suhrkamp, Frankfurt am Main, 1984. veranlasst, von einer "Wissenschaft als Kunst" zu sprechen. An der HK-Bern gibt es seit wenigen Jahren, gewissermaßen als Pendant zur "Wissenschaft als Kunst", ein "Institut für Kunst als Forschung" . (Durch den Begriff "Forschung" statt "Wissenschaft" wird auch hier eher auf das "Experiment" fokusiert.) Auch die Hinzunahme des Beobachters in das beschriebene System z.B. im Konzept der Kybernetik zweiter Ordnung oder der Endophysik trug zur Konvergenz von Kunst und Wissenschaft bei. spricht bei der interaktiven Medienkunst in Anlehnung an die Endophysik von Endoästhetik. Gelegentlich ist in diesem Zusammenhang auch der Begriff "Science-Art" in Gebrauch.
In Bezug auf die künstlerische Avantgarde des 20. Jahrhunderts lassen sich im hier diskutierten Kontext drei Entwicklungen besonders hervorheben: Eine wesentliche Rolle bei der Entwicklung hin zu zwischenmenschlichen Relationen spielte die von Guy Debord initiierte "Situationistische Internationale", die Marcel Duchamps Feststellung, dass Kunst ein zwischenmenschliches Spiel aller Menschen aller Epochen ist, mit ihren konstruierten Situationen umsetzt und verdichtet. Ein weiterer Schlüsselbegriff ist die "soziale Plastik", wie ihn Joseph Beuys prägte. Verschiedene Richtungen der aktionistischen Kunst differenzierten sich zu Guerilla-Kunst, Hacktivismus, Street-Art und anderen Kunststrategien aus, die teilweise von modernen Marketing-Strategien wie Guerilla-Marketing oder virales Marketing kaum noch zu unterscheiden sind. Als ein gemeinsames Paradigma der Avantgarde des 20. Jahrhunderts, das hinter diesen Entwicklungen steht, wird die "Einschreibung der Kunst ins Leben" genannt, bei der die "Vereinnahmung" der Wissenschaft eine - aber eine wichtige - Rolle spielt(e) (vgl. z.B. ). versucht der Entwicklung hin zur Relationalität durch die Diskussion einer "relationalen Ästhetik" Rechnung zu tragen. Er weißt darauf hin, dass bei zahlreichen künstlerischen Konzepten zwar der Computer bzw. Neue Medien benutzt werden, diese aber keineswegs zwingende Voraussetzungen für relationale Ästhetik wären. Wichtig war und ist den meisten KünstlerInnen die Einschreibung der Kunst ins Leben. Kunst als Teil der "Lebenswelt". Bourriaud spricht auch die damit einhergehenden Probleme deutlich an: "Based on Oscar Wilde's formula, modernity is the moment when `it is not art imitating life, but life imitating art`" (, Seite 103). Beuys wollte eine "gesellschaftsverändernde Kunst" und lehnte sich damit unmittelbar an das Diktum von Karl Marx an: "Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert. Es kommt darauf an, sie zu verändern." . Es ist hierbei immer wieder betont worden, dass die AutorIn (sprich die KünstlerIn) dabei zunehmend zugunsten der RezipientIn (jetzt ist zunehmend von "NutzerIn/User" die Rede) in den Hintergrund gedrängt wird. Peter Weibel sieht (in einem Spiegel-Interview, ) nun anhand der Möglichkeiten der Internettechnologie, hier insbesondere von "Second Life" (SL), die avantgardistische Forderung eingelöst: "Das Wort Revolution ist abgenutzt, aber in diesem Fall [SL] wäre es angebracht. [...] Das hat es vorher so nicht gegeben. Kunst und Leben werden eins."Problemen des möglichen Realitätsverlustes weicht er aus: "Das ist eben keine Alternativ- sondern eine Parallelwelt. [...] Ich tausche mein reales, fremdbestimmtes Leben gegen ein anderes aus, das ich selbst entwerfe. Das ist doch eine Menge."Das Verschwinden der Differenz diagnostiziert auch Helmut Mark/Reinhard Braun (1996): "Indem aber die Distanz verschwunden ist, hat Kunst - ironischerweise - eine ihrer Utopien geradezu eingelöst: mit dem (alltäglichen) Leben zu verschmelzen, von alltäglichen Handlungen, Ereignissen, Objekten, Umstanden, Zuständen usw. nicht mehr unterscheidbar zu werden - kurz: die Idee des Ready made umzukehren und jetzt 'Objekte' der Kunst ins Leben zurückzuschleusen, ohne daß sie als solche ohne weiteres zu identifizieren wären. Allerdings ist dadurch nicht das Leben zur Kunst geworden, sondern Kunst und Leben haben sich auf halbem Weg getroffen: im Dritten der Medien, die sowohl zur Ordnung der Kunst wie des 'Lebens' gehören. Jenseits der Differenzen und Distanzen." Auch zur Tendenz in Richtung "Design der Gesellschaft" bot die Systemtheorie ein Pendant. Einer der Pioniere der Systemtheorie, , sprach von einem "Philosophical Engineering", ein anderer, Stafford Beer, von "Designing Freedom" . Gaines interpretierte Platons "Politeia" als Systemtheorie in diesem gesellschaftsveränderndem Sinne, während , ein Kybernetiker der ehemaligen DDR, die Kybernetik als rigorose mathematische Formulierung des dialektischen Materialismus sah. Es gibt einige Evidenz, dass die zeitgenössische Netzkunst, Hackivismus, Guerilla-Kunst, Strategien des viralen Marketings usw. als Gesellschaftsdesign im Sinne des "philosophical engineerings" zu sehen sind. Der Einsatz von Medientechnologien wird nämlich von zahlreichen KünstlerInnen schon als "Wissenschaft" gesehen, was dann konsistent ist, wenn der "Auftrag" dieser Kunst im Sinne der Kybernetik ebenfalls als "philosophical engineering" zu sehen ist. Systemtheorie und Kunst treffen sich also vor allem dort, wo beide ein "Wunschmaschinen-Engineering" sein wollen. Die angesprochenen Aspekte der Beziehung von Kunst und Wissenschaft und die damit verbundenen Teilbereiche lassen sich unter verschiedenen Perspektiven untersuchen. Unabhängig vom Wissenschaftsbezug ist eine Entwicklung weg vom traditionellen Werkbegriff, hin zur Performativität, Relationalität, Aktionismus, Interaktivität und Simulation zu verzeichen. Diese Entwicklung geht einher mit einer radikalen Veränderung ikonischer Konzepte. Ein großer Teil der künstlerischen Artefakte bzw. Performances beruhen auf dezidiert systemischen Ansätzen. Computersimulationen oder die Verwendung von Biofeedback und anderen Schnittstellentechnologien sind ohne systemtheoretische Ansätze kaum noch adäquat zu beschreiben und schon gleich gar nicht zu realisieren. Seit Mitte der 1990er Jahre benutzen KünstlerInnen wie ArchitektInnen Computersimulationen für ihre Arbeiten. Wenn man Simulationen als "Dynamikgeneratoren" versteht (dies entspricht einem kybernetischen Verständnis), so stellt sich die Frage nach dem Übergang von Dynamik zu etwas Perzipierbarem. Dieser Übergang wird als eine Art Form- oder Bildgebung gestaltet und darf daher in der Betrachtung nicht vernachlässigt werden. Für KünstlerInnen mit traditioneller Ausbildung ist das Gestalten mittels Computermodellen oft gewöhnungsbedürftig. Angesichts bewegter und durch die Interaktionen der BenutzerInnen immer anders aktualisierter Bildwelten erwachsen methodische Herausforderungen. Wie erfasst, beschreibt und vermittelt man eine Arbeit, die jedes Mal anders aussieht? Die Kunstgeschichte/-theorie reagiert mit neuen Konzepten beispielsweise mit allgemeiner gefassten bildwissenschaftlichen Theorien. Dazu zählen u.a. auch Konzepte zum "systemischen Bild" oder Verknüpfungen zur Performativität. Weiterhin findet eine Integration der RezipientIn als Bestandteil des "Werkes", was die Rolle und Bedeutung der Interaktivität in den Mittelpunkt des Interesses rückt, wie auch die Position der AutorIn zur Disposition stellt. Es gibt einige vielversprechende Theorieentwürfe zu diesen neuen Kunstrichtungen, z.B. die Endoästhetik von oder die relationale Ästhetik von . Im Modul 16 "Medien-Kunst-Netz" stehen die Selbstreferentialität der Medienkunst, ihr Bezug zur Systemtheorie und neue interdisziplinäre bildwissenschaftliche Ansätze im Mittelpunkt. ->ZITIERTE LITERATUR |
LITERATUR ZUR VORBEREITUNG DER THEMENFELDERAus copyright-Gründen sind die Links nicht immer identisch mit denen der e-learning Plattform. Es wird auf entsprechende Webseiten verlinkt.THEMENBLOCK 1: KONZEPTE DER SYSTEMTHEORIE UND IHR KONNEX ZUR MEDIENKUNST
THEMENBLOCK 2: SYSTEMTHEORIE UND ÄSTHETIK
THEMENBLOCK 3: STRATEGIEALGORITHMEN
THEMENBLOCK 4: COMPUTERSIMULATIONEN IN DER BILDENDEN KUNSTDieser Themenblock wird von Inge Hinterwaldner organisiert.
THEMENBLOCK 5: ARCHITEKTUR UND WISSENSCHAFTDieser Themenblock wird von Inge Hinterwaldner organisiert.
THEMENBLOCK 6: MEMETIKTHEMENBLOCK 7: MEDIENREFLEXION AM BEISPIEL DER ARBEITEN VON TONY CONRADDieser Themenblock wird von Tabea Lurk organisiert.THEMENBLOCK 8: NETZKUNST
THEMENBLOCK 9-10: KUNST & WISSENSCHAFT, ARTISTS IN LABS
LITERATUR DER DOZIERENDEN
WEITERFÜHRENDE LITERATUREine umfangreiche Liste zu Literatur, Ausstellungen, Konferenzen, Projekten, Künstlern und Wissenschaftlern rund um die Themen "Neue Medien" und "Kunst und Wissenschaft" gibt es im Forum MARCEL, speziell unter der Kategorie "Art and Science". Im Folgenden ein kleiner Auszug:
ONLINE LITERATUR, FOREN, BLOGS, ETC
WERKE - INSTALLATIONEN - PERFORMANCES - AUSSTELLUNGEN
NETZKUNST AUSSTELLUNGEN UND PROJEKTE:NETZ- UND MEDIENKUNST-DATENBANKEN:ARTIKEL IN TELEPOLIS ZU NETZKÜNSTLERINNEN UND IHREN AKTIONEN ETC: |